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Samstag, 28. Juli 2012

Menschlichkeit (2004)

Oft wird mehr Menschlichkeit gefordert. - Wie grausam! -  Reicht all die Abzocke, der Krieg, die Folter, die Unterdrückung und Ausrottung nicht? Soll es noch menschlicher sein? Wurden denn die, die das fordern, zu wenig gemobbt oder von ihren Eltern zu viel beachtet?

Ich habe VertreterInnen führender Spezies zu ihrem diesbezüglichen Standpunkt befragt:

utez: " Frau Ameise, was sagen sie zu der Forderung nach mehr Menschlichkeit?"
Frau Ameise: "Nein, bloß nicht. Das macht nur Arbeit. Andauernd graben sie den Garten um, das nervt. Mal ist mein Nest links, dann wieder rechts, dann stellt jemand eine Veranda auf meinen Eingang. Das ist nicht schön. Ich bin gegen mehr Menschlichkeit."

utez: "Herr Mücke, würden sie sich mehr Menschlichkeit wünschen?"
Herr Mücke: "Klar, warum nicht. Sehen sie, Menschen haben eine wunderbar dünne Haut. Hinzu kommt, dass sie annähernd nichts treffen, wonach sie schlagen. Also ich bin unbedingt ein Befürworter von Menschlichkeit."
utez: "Und es darf auch etwas mehr sein?"
Herr Mücke: "Aber sicher."

utez: "Frau Ratte, was halten sie davon, dass es mehr Menschlichkeit geben soll?"
Frau Ratte: "Mit wem von uns sprechen sie?"
utez: "Mit ihnen."
Frau Ratte: "Ich sehe das positiv. Wir planen eh, uns weiter zu vermehren, da käme es uns nur entgegen, wenn es noch mehr Abfall und Verelendung gäb. Für uns sind das gute Bedingungen. Wir haben uns ja auf das Leben in Menschennähe spezialisiert. Also, wir könnten auch anders, aber warum sollten wir, so ist es doch viel angenehmer."

Und was sagen die Menschen selbst dazu?

utez: "Herr Pöbel, fordern sie auch mehr Menschlichkeit?"
Herr Pöbel (schreit sein Kind an): "Ej, halt ma die Fresse, isch bin im Fernsehn."
Herr Pöbel: "Klar. Auf jeden Fall. Menschlichkeit. Klar. Da sollten die ma wat dran tun. Damit es da mehr gibt. Davon."

utez: "Frau Fein, haben sie sich Gedanken gemacht zu der neuen Forderung nach mehr Menschlichkeit?"
Frau Fein: "Ja, wissen sie, das mit den Forderungen ist ja immer so eine Sache. Man kann nicht immer nur fordern, man muss auch selber Rücksicht nehmen."
utez: "Woran denken sie dabei?"
Frau Fein: "An alle, die was wollen. Das kostet doch alles so viel, das muss man auch sehen."

utez: "Herr Lobby, sie fordern mehr Menschlichkeit, warum?"
Herr Lobby: "Die Zahlen belegen, dass es sie zu wenig gibt. Wir fordern sie deshalb schon lange. Insbesondere unsere Mitglieder sind davon betroffen. Eine zumindest menschliche Geste ihnen gegenüber, wie etwa eine spezielle Steuerentlastung für sie, ist längst überfällig.

Herr Org (steht dabei und antwortet auch gleich): " Unsere Klientel ist eine der benachteiligsten Gruppen. Täglich sterben welche und wissen das. Als Organisation mit Erfahrung und langjähriger Tradition haben wir die Strukturen und die Qualifikation, um hier mehr Menschlichkeit zu verwirklichen, aber es fehlen uns die Mittel."

Herr Auftragnehmer (steht ebenfalls dabei und ergänzt dynamisch): "Mehr Menschlichkeit wird seit Jahren gefordert. Das Problem hierbei ist der intelligente Einsatz von Mitteln, um höchstmögliche Effizienz zu erzielen. Unsere Firma hat das Know How und die Kontakte, um das zu realisieren."

Was Herr Wirtschaft, Herr Agentur und Frau Politik zu sagen haben, unterscheidet sich nicht sonderlich von Lobby, Org und Auftragnehmer. Die Antwort von Herrn Diöcesar lesen sie bitte in der Enzyklika nach.

Frau Aufgeklärt oder Herr Heilig sind sie sicher selbst. Oder sie können deren Antworten zumindest selbst runter beten.

Und egal, was sie jetzt fühlen, es ist menschlich. - Was auch sonst.


Ute Ziemes, privat.utez.de,

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