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Mittwoch, 2. Dezember 2015

Eurovision Song Contest - ESC (seit 1956)

Der ESC begleitet mich seit meiner Kindheit. Immer, wenn ich seine Funktionsweise verstanden hatte, war im nächsten Jahr schon wieder vieles anders. Nun habe ich mal recherchiert und dabei auch erkannt, was mich in der Vergangenheit jeweils irritiert hatte. Das waren vor allem die Verfahrenswechsel beim Vorentscheid. Beim eigentlichen ESC hat mich das Sprachregel-Durcheinander, der Namenswechsel sowie die massive Zunahme der Teilnehmeranzahl und die Einführung von Halbfinalen rausgebracht.


Den Eurovision Song Contest gibt es seit 1956. Er hieß in Deutschland bis 2001 "Grand Prix Eurovision de la Chanson". Er ist ein internationaler Liederwettbewerb, der die Komponisten- und Textschreiber der vorgetragenen Lieder kürt. Er wird veranstaltet von der European Broadcasting Union (EBU), einem Verbund von Rundfunksendern verschiedener Nationen, der einen eigenen Satellitenkanal betreibt, mit dessen Hilfe eingespeiste Sendungen in allen Eurovisionssendern (gleichzeitig) gezeigt werden können. Dass dies bei dem Contest zum Einsatz kommt, erkennt man daran, dass die Übertragung mit dem Eurovisions-Logo und der Eurovisions-Hymne beginnt. Die Mitglieder, die das meiste Geld in die EBU zahlen (die deutschen Sender gehören dazu) oder deren Lied beim letzten ESC gewonnen hatte, haben einen sicheren Platz im Finale des ESC. Alle anderen müssen in einem der vorausgehenden Halbfinale mit ihrem Lied einen der ersten 10 Plätze erreichen, um für einen der Startplätze im Finale qualifiziert zu sein. Die Startplätze im Finale sind begrenzt, damit die Sendezeit in einem verträglichen Rahmen bleibt.

Alle am Grand Prix teilnehmenden Lieder wurden ehemals in der Sprache des Landes gesungen, unter dessen Fahne sie jeweils im Wettbewerb antraten. Anfangs geschah dies zufällig, ab 1968 jedoch per Regel. Die Regel war zwischen 1973 und 1977 ausgesetzt und gilt seit 1999 gar nicht mehr. Die Musik zum Gesang wurde in den ersten Jahrzehnten live von einem Orchester gespielt, die Dirigenten wechselten je Lied. Heute wird die Musik zum Livegesang als Halbplayback eingespielt.

Die Lieder dürfen heute höchstens die Länge von 3 Minuten haben. Das wunderschöne deutsche Lied von 1956 "Im Wartesaal zum großen Glück" hat ca. 04:50 Minuten gedauert und dürfte heute also gar nicht teilnehmen.

Nationaler Vorentscheid


Wie die Mitgliedssender ihr teilnehmendes Lied aussuchen, ist ihnen überlassen. Nicht immer fanden deutsche Vorentscheidungen öffentlich statt. Auch worüber entschieden wurde, war unterschiedlich. Mal brachten konkurrierende Liedermacher den Interpreten ihres Liedes selber mit, mal stand der Interpret fest und entschieden wurde nur darüber, welches Lied er singen wird, mal wurde erst über das Lied und dann über den Interpret entschieden. Lieder kamen auch nicht immer von deutschen Liedermachern. Entschieden hat anfangs der Sender allein oder eine Jury, dann alle Zuschauer, die eine Karte schickten, später ein paar hundert Zuschauer mittels Umfrage, zuletzt all jene Zuschauer, die anrufen.

Die bisher 61 Vorentscheidungen der Jahre 1956 bis 2016 trafen die jeweils verantwortlichen deutschen Sender wie folgt:
  • 12 intern
  • 14 mittels Jury
  • 11 mittels Umfrage
  •   1 durch einen Mix aus Jury- und Publikumsvoting
  • 23 via Publikumsvoting

Halbfinale (Semifinale)


Zu den Halbfinalen habe ich mich nicht näher informiert. Ich weiß nicht, wie sie zusammengestellt werden und wer wie abstimmen darf. Ich weiß nur, dass es sich lohnt, sich die teilnehmenden Lieder anzuhören. Denn nicht jedes schöne Lied schafft es in's Finale. Vor allem dann nicht, wenn alle schön sind.

Finale


Das Gewinner-Lied eines ESC und die weiteren Platzierungen werden dadurch ermittelt, dass jedes teilnehmende Land (auch die, die es nicht in's Finale geschafft haben) zwei Top-10-Listen (eine mittels Jury und eine mittels Televoting) aus dem Pool der Final-Lieder der anderen Länder wählt und für sie entsprechende Punkte (12, 10, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1) übermittelt. Dass man Punkte ausschließlich aus anderen Ländern für sein Lied bekommen kann und seine Punkte nur ausschließlich für Lieder aus anderen Ländern abgeben kann, macht den besonderen Charakter des ESC aus. Durch das System öffnet man sich gegenseitig für den Geschmack der anderen und hat die Möglichkeit, sich gegenseitig Wertschätzung auszudrücken. Da immer nur die Bewertung der jeweiligen Top-10 im Finale einfließen, ist die Platzierung am Ende des Finales jedoch kein Abbild dieser Wertschätzung. Wer am Ende des Finales null Punkte hat, kam lediglich in keiner der nationalen Platzierungslisten in die Top-10, könnte aber überall Platz 11 erreicht haben.
Die Punktevergabe findet wie folgt statt:
Seit 2016 wird aus den Rangfolge-Listen von Jury und Televotern eines Landes nicht mehr eine gemeinsame Rangfolge-Liste ermittelt und nur für die Top-10 dieser gemeinsamen Liste die Punkte übermittelt, wie in den früheren Jahren üblich, in denen Televoting schon eingeführt war. Statt dessen werden nun die Punkte der Jury und des Televotings separat übermittelt. Statt einmal 1-12 Punkte, übermitelt somit jedes Land zweimal 1-12 Punkte.

In der Livesendung als nationale Wertung erkennbar sind nur die Punkte der jeweiligen Jurys. Die Punkte der Televotings aller Länder werden im Vorfeld addiert und fließen als Punkte-Summen in die Sendung ein.

Man kann die nationalen Televoting-Punkte aber auf den Seiten der EBU nachsehen. Dort kann man auch in Erfahrung bringen, wie die Juroren eines Landes jeweils einzeln abgestimmt hatten. http://www.eurovision.tv/page/results
Jurys
In jedem teilnehmenden Land gibt es eine mehrköpfige Jury aus Mitgliedern unterschiedlichen Alters, die beruflich mit Musik oder z.B. Media zu tun haben. Jedes Mitglied einer solchen Jury erstellt seine persönliche Platzierungsliste aus den Final-Liedern der anderen Länder. Aus den Platzierungslisten der einzelnen Jurymitglieder wird dann eine gemeinsame Platzierungsliste ermittelt, indem die Zahlenwerte der Platzierungen je Lied addiert werden und mit Hilfe der Summenwerte die gemeinsame Platzierungsreihenfolge der Lieder ermittelt wird. Der niedrigste Summenwert ist Platz 1, der höchste Summenwert ist der letzte Platz. Haben zwei Lieder gleiche Summenwerte, wird deren Reihenfolge dadurch bestimmt, dass man vergleicht, wieviele Jurymitglieder das eine Lied besser positioniert hatten als das andere. Dasjenige Lied, das häufiger besser positioniert wurde als das andere, erhält die höhere Platzierung. Für die Plätze 1-10 (Top-10) dieser gemeinsamen Platzierungsliste werden Punkte vergeben.
Platzierung) Punkte
01) 12
02) 10
03) 08
04) 07
05) 06
06) 05
07) 04
08) 03
09) 02
10) 01
Diese Punkte werden an die Zentrale übermittelt. An welches Lied die 12 Punkte der Jury des Landes gehen, wird von Moderatoren des Landes live genannt. Die anderen Punkte der Jury des Landes werden kurz zuvor automatisch in die Anzeigetafel addierend eingetragen
Televotings
In jedem teilnehmenden Land können Zuschauer per Telefon, SMS oder App aus den Final-Liedern der anderen Länder einen Favoriten wählen. Pro Anschluss ist das zwanzigmal möglich.
Aus den Televotingergebnissen jedes teilnehmenden Landes wird eine Platzierungsliste erstellt und die Punkte der Top-10 dieser Liste werden an eine Zentrale übermittelt.
Platzierung) Punkte
01) 12
02) 10
03) 08
04) 07
05) 06
06) 05
07) 04
08) 03
09) 02
10) 01
Die Zentrale addiert dann die Punkte, die aus den Televotings für die einzelnen Final-Lieder übermittelt wurden, in einer gemeinsamen Punkte-Summen-Liste. Beginnend beim Lied, für das sich die niedrigste Punkte-Summe ergeben hat, werden dann die Punkte für die Lieder nacheinander live genannt und in die Tafel addierend eingetragen. Das geht bis inklusive zur elfthöchsten Punkte-Summe sehr zügig. Danach wird das Tempo gedrosselt, weil nun die zehn höchsten Punkte-Summen folgen.
Voting der Hallen-Zuschauer
Auch die Zuschauer in der Halle können abstimmen. Ihr Voting hat Einfluss auf die Reihenfolge der Platzierung von Liedern mit gleicher Punktzahl.

Links zum Thema


Meine ESC-Lieblingslieder


Die folgenden ESC-Lieder sind nicht die einzigen, die mir gefallen, aber diejenigen, die mir aus der bisherigen ESC-Zeit (1956-2016) am besten gefallen.

Jahr - Land _ Sprache _ "Titel" (Interpret) _ Musik (M) - Text (T) - Dirigent (D)
Adresse, unter der das Lied zu hören is (unverlinkt).

  • 1956 - Deutschland _ Deutsch _ "Im Wartesaal Zum Großen Glück" (Walter Andreas Schwarz) _ M+T: Walter Andreas Schwarz
    https://www.youtube.com/watch?v=ZUXVPPfVpos
    Hörprobe: https://www.amazon.de/Im-Wartesaal-Zum-Großen-Glück/dp/B00O4PQ9AW/
  • 1958 - Italien _ Italienisch _ "Nel blu dipinto di blu [Volare]" (Domenico Modugno) _ M: Domenico Modugno - T: Domenico Modugno, Franco Migliacci
    https://www.youtube.com/watch?v=9DPAb9-Stmo
  • 1965 - Luxemburg _ Französich _ "Poupee De Cire, Poupee De Son" (France Gall) _ M+T: Serge Gainsbourg - D: Alain Goraguer
    https://www.youtube.com/watch?v=oGGviSJ4Ilw
  • 1967 - Monaco _ Französich _ "Boum-Badaboum" (Minouche Barelli) _ M+T: Serge Gainsbourg
    https://www.youtube.com/watch?v=aPwd6IKgGQQ
  • 1971 - Österreich _ Wienerisch _ "Musik" (Marianne Mendt) _ M: Richard Schönherz - T: Manuel Rigoni
    https://www.youtube.com/watch?v=o5aTcY61-vo
    Hörprobe: https://www.amazon.de/Musik/dp/B00ZBH8V58/
  • 1975 - Niederlande _ Englisch _ "Ding-a-Dong" (Teach-In) _ M: Dick Bakker - T: Eddy Ouwens, Will Luikinga
    https://www.youtube.com/watch?v=REHS12tsj7c
  • 1976 - Vereinigtes Königreich _ Englisch _ "Save your kisses for me" (Brotherhood of Man) _ M+T: Tony Hiller, Lee Sheriden, Martin Lee
    https://www.youtube.com/watch?v=4Mjc4LMuD6A
  • 1979 - Israel _ Hebräisch _ "Hallelujah" (Gali Atari and Milk and Honey) _ M: Kobi Oshrat - T: Shimrit Orr
    https://www.youtube.com/watch?v=C33kO3fvjkI
  • 1980 - Spanien _ Spanisch _ "Quédate esta noche" (Trigo Limpio) _ M+T: José Antonio Martin
    https://www.youtube.com/watch?v=F72AaxQ7KeM
  • 1989 - Türkei _ Türkisch _ "Bana bana" (Pan) _ M+T: Timur Selçuk
    https://www.youtube.com/watch?v=7_4cI9S5lUY
  • 1995 - Polen _ Polnisch _ "Sama" (Justyna) _ M: Mateusz Pospieszalski, Wojciech Waglewski - T: Wojciech Waglewski
    https://www.youtube.com/watch?v=jOvnqI4OR8k
  • 2003 - Russland _ Russisch _ "Ne Ver', Ne Boysia" (t.A.T.u.) _ M: Valeriy Polienko - T: Mars Lasar
    https://www.youtube.com/watch?v=1TouzY3_yq0
  • 2008 - Bosnien und Herzegowina _ Bosnisch _ "Pokušaj" (Laka) _ M+T: Elvir Lakovic Laka
    https://www.youtube.com/watch?v=ab6gZuOoQRs
  • 2009 - Norwegen _ Englisch _ "Fairytale" (Alexander Rybak) _ M+T: Alexander Rybak
    https://www.youtube.com/watch?v=WXwgZL4zx9o
  • 2010 - Deutschland _ Englisch _ "Satellite" (Lena) _ M: Julie Frost, John Gordon - T: Julie Frost
    https://www.youtube.com/watch?v=VbV8F5QT4Yo
  • 2012 - Russland _ Udmurtisch, Englisch _ "Party for Everybody" (Buranowskije Babuschki) _ M: Wiktor Drobysch; Timofei Leontiew - T: Olga Tuktarowa, Mary Susan Applegate
    https://www.youtube.com/watch?v=WKNRGc71hjc (Das ist der russische Vorentscheid. Da sind die Sängerinnen lockerer und die Gesichter zweier skeptischer Jurymitglieder sind lustig anzusehen.)
  • 2013 - Norwegen _ Englisch _ "I Feed You My Love" (Margaret Berger) _ M+T: Karin Park, Robin Lynch, Niklas Olovson
    https://www.youtube.com/watch?v=gjm-kCOMaPY
  • 2016 - Ukraine _ Englisch, Krimtatarisch _ "1944" (Jamala) _ M+T: Jamala, Art Antonyan
    https://www.youtube.com/watch?v=oxS6eKEOdLQ


Ute Ziemes, privat.utez.de,

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