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Montag, 23. Juli 2012

Erstes Schuljahr (1967/1968)

Ich im Alter von 6 mit einer Schultüte im Arm.
Auf die Schule freute ich mich. Endlich würde ich gefördert, war meine Annahme. Meine daher rührende freudig aufgeregte Kommunikation mit der Lehrerin parrierte diese jedoch schon am ersten Tag mit "Psst!" und einem auf die Lippen gelegten Finger.

Außerdem war die Klasse zum Bersten voll mit Kindern, die einzeln keine Beachtung fanden.

An einem Tag der ersten Woche bastelten wir mit Kreppbändern, die wir zu Zylindern drehten, Küken. Das war das erste Mal, dass ich überhaupt bastelte. Entsprechend stolz war ich, dass ich es hinbekommen hatte. Mindestens einer Klassenkameradin schien es jedoch ein dringendes Bedürfnis zu sein, mein Resultat abzuwerten. "Wie sieht das denn aus?", sagte sie zu mir und ihren Freundinnen, "Ist das aber hässlich!".

Meine Mutter holte mich an dem Tag von der Schule ab und sie fragte, wie es war. Ich berichtete vom Basteln und zeigte ihr mein Küken. In meinen Stolz mischte sich die Wahrnehmung der Abwertung: "Da drüben das Mädchen hat gesagt, mein Küken wäre hässlich." Mutter: "Ach was, das stimmt doch gar nicht. Ich finde dein Küken schön. - Hat dir das Basteln denn Spaß gemacht?" Ich: "Ja! Aber ich kann das noch nicht so gut." Mutter: "Das ist nicht schlimm. Das lernst du noch." - Wir bastelten im ersten Schuljahr jedoch nicht mehr. Und bei den seltenen späteren Bastelarbeiten stand ich immer wieder am Anfang.

Ute Ziemes, privat.utez.de,

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