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Montag, 4. Januar 2016

Liste: Orte


Ute Ziemes, privat.utez.de

Flohmarkt (2003)

Gestern war ich mit meinem Krimskrams auf dem Flohmarkt.

Ich habe sogar die alte Billigkaffeemaschine verkauft, die ich mir für meinen vorvorigen Arbeitsplatz angeschafft hatte und die dort viele Jahre von mir und meinen KollegInnen intensivst genutzt worden war. Hat 1 Euro gebracht. Und meine gesammelten Postkarten habe ich an Karten schreibende Damen verkloppt. Die hätten sich drum geprügelt, wenn sie keine Damen wären.

Meinen alten China-Schirm bin ich aber nicht los geworden. Dabei habe ich ihn so gut präsentiert, einem Interessenten, der angab irgendwo zu arbeiten, wo immer alle viel lachen würden, aber keine entsprechende Stelle mehr für mich frei wäre.

Ich habe den Mann aufgefordert, bitte jetzt mal nicht auf die Löcher im Schirm, sondern auf die Gesamtwirkung zu achten, dann würde seine Wahrnehmung automatisch die Lücken schließen und er könnte die außergewöhnliche Ausstrahlung dieses Schirms erleben.
"Und nun, da sie ihn richtig sehen",
sagte ich,
" will ich ihnen zeigen, was sie damit dann Wundervolles machen könnten.
Sie könnten ihn so (...) - sehen sie genau hin - halten. Sehen sie, wie ich das mache? Wie das wirkt? Ist er so nicht außergewöhnlich schön und betörend?!
Die Farben, das Lichtspiel, die Anmut.
Und wenn sie dann noch dazu mit ihm so (..) irgendwo entlang gehen ... Sie müssen dann trippeln, sehen sie (...)?"
"Wie?",
will er genau wissen.
"In so kleinen, asiatischen Schritten, das kennen sie doch, solche Schritte (...).
Und halten und trippeln (...) , das müssen sie kombinieren und dabei - und das dürfen sie auf keinen Fall vergessen - müssen sie natürlich auch lächeln, unaufhörlich sogar, immer lächeln, sehen sie so (...). Das ist wichtig. Das macht es erst asiatisch. Das macht es perfekt - Halten, Trippeln, Lächeln (...), verstehen sie."
"Ja, aber die Löcher ...",
fiel er zurück.
"Nein also, sie machen ja gar nicht richtig mit. Sie sollen die Lücken doch schließen",
schalt ich ihn.


Es gab fröhlichen Applaus der benachbarten StandbetreiberInnen, aber der Schirm ist weiter in meinem Besitz.

Ute Ziemes, privat.utez.de,

Sonntag, 22. Juli 2012

Kiosk (bis 1967)

Im Kiosk, in dem mein Freund A. und ich im Vorschulalter gelegentlich eine Tüte Süßes kauften, legten wir meist 2 bis 5 Pfennig hin und wurden dann aufgefordert, uns dafür etwas auszusuchen, was in die Tüte soll. Wir hatten ja aber gar keine Ahnung von Preisen und konnten auch nicht rechnen. Dennoch sammelte sich am Schluss stets allerhand in der Tüte. Wenn ich 2 Pfg hingelegt hatte, schien es mir schon damals gelegentlich so, dass mehr in der Tüte war, als man für 2 Pfg in Wahrheit bekommen konnte. Vermutlich war mir das im Vergleich zum Tüteninhalt, den wir mal für 5 Pfg erhalten hatten, aufgefallen oder weil ich auch schon mal 10 Pfg hingelegt hatte.

In meinen 20er Jahren habe ich die Straßen, in denen ich mein Vorschulalter verbracht hatte, nochmal aufgesucht und mir da alle Orte angesehen, mit denen ich wichtige Erinnerungen verband. Das Kiosk gab es noch und ich ging hinein und kaufte mir ein Eis. Die ältere Dame, die mich bediente, schien mir unbekannt. Als sie mir das Eis gab, sagte sie jedoch: "Kann es sein, dass ich Sie kenne? Haben Sie nicht als Kind zusammen mit einem Freund hier Süßigkeiten gekauft?" Ich war baff. Leider war meine Kommunikation damals noch allzu reaktiv und ich habe deshalb nicht weiter darauf eingehen können als Ja zu sagen. - Heute würde ich allerhand nachfragen und mich auch für die netten Erfahrungen bedanken.

Ute Ziemes, privat.utez.de,

Sonntag, 8. Juli 2012

Mein Garten (2001-2004)

Eigentlich ist er gar nicht mein Garten. Er steht allen im Haus zur Verfügung. Besitz ist aber auch nicht gemeint. Es geht um Nähe.

Ich fühle, spüre, rieche, sehe und höre den Garten gern und ich achte ihn hoch. Er macht mich glücklich, in dem Moment, da ich ihn wahrnehme. Und es beruhigt mich, wenn ich an ihn denke. Es ist gut, dass er da ist.

Einfach da sein, ist quasi sein Motto. Er ist ein kleiner Kosmos, in dem jede Kreatur ihren Platz hat. Seit Jahren immer die gleichen. Generationen von Amseln, Asseln, Ameisen, Hummeln, Bienen, Miniwespen, Grasmilben, Regenwürmern und Rosenblüten. Die Pflanzen düngen den Boden, der Boden ernährt die Pflanzen, Tiere ernähren sich von den Pflanzen und von gestorbenen Tieren ... Und das ist nur, was ich mittlerweile sehe.

Nichts in dem Garten muss irgendetwas tun, wozu es nicht geschaffen wäre. Wenn die Sonne auf- oder untergeht, dann wird aufgeblüht, gefressen, Haus gezimmert, vor Leben gestrotzt, um Paarung geworben und Nachwuchs versorgt. Alles funktioniert perfekt und überraschend friedlich. Alle sind hoch motiviert, nichts bremst ihre Zielstrebigkeit.

Seit ich mein menschlich deformiertes Bewusstsein abschalten kann, passe auch ich immer wieder mal vorübergehend in diesen Kosmos. Aber er ist leider nicht meiner. Ich kann ihn nur lieben.

Eindrücke:

Gartenbilder-Collage
Zeilenweise von links nach rechts:
Feuerdorn-Beeren bescheren Amseln und Meisen einige schöne Wintertage, Gras liebt Freiheit, Licht und Wasser,
Moos kann Früchte tragen, Clematis liebt Halbschatten, Rosen können duften, Unsere Amsel lockt auf der Straße eine externe Hochzeiterin, Schnittlauch kann blühen, auch diese Rose duftet.

Ute Ziemes, privat.utez.de,